Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen

Der Unermüdliche

Zum 15. Mal wollte Diedrich van Rüschen jetzt für die Kriegsgräberfürsorge Spenden sammeln gehen. Corona verhindert das, aber geehrt wurde er trotzdem.

Ehrung für einen (fast) Unermüdlichen - von links: Jens Effkemann vom Volksbund, Bürgermeister Dirk Speckmann, Spendensammler Diedrich van Rüschen und Manfred Warias von der Stadtverwaltung

Borgholzhausen. „Ich fühle mich nicht als Bettler, wenn ich bei den Menschen klingele“, sagt Diedrich van Rüschen. Eigentlich ist jetzt die Zeit, in der er an vielen Türen in Borgholzhausen klingelt, doch die Pandemie lässt Hausbesuche nicht unbedingt ratsam erscheinen. Das Anliegen des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, wie die Organisation korrekt heißt, ist aber zu wichtig, um es ganz einfach komplett aufzugeben.
„Der Blick in die Geschichte ist wichtig. Für Demokratie muss man extrem hart arbeiten“, lauten zwei seiner Grundüberzeugungen. Es sind Themen, über die er mit vielen Menschen bei seinen Hausbesuchen gesprochen hat. Natürlich auch über die Vorurteile gegenüber der Kriegsgräberfürsorge. „Es geht nicht um Heldenverehrung“, sagt Diedrich van Rüschen.

Bestattungen für Kriegstote aller Nationen

Und Jens Effkemann, der Regionalgeschäftsführer Westfalen-Lippe der Organisation, macht darauf aufmerksam, dass „wir uns um sämtliche Kriegstoten aller Nationen kümmern.“ Schicksale aufzuklären und immer dann, wenn irgendwo noch Überreste getöteter Soldaten auf den Schlachtfeldern der Weltkriege ans Licht kommen, ihnen einen würdevollen Platz für die letzte Ruhe zu bereiten, gehört auch heute noch zu den Aufgaben der Kriegsgräberfürsorge.
Ebenso ist die Pflege von Soldatenfriedhöfen ein unverzichtbares Arbeitsfeld des Volksbundes. Die Bilder von langen Reihen schlichter Grabkreuze auf grünem Rasen machen auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs deutlicher als abstrakte Zahlen, wie viele Menschen gewaltsam gestorben sind. Die Arbeit wird auch von der Bundesregierung unterstützt.

„Es macht etwas mit einem, wenn man einen solchen Friedhof besucht hat“, weiß Diedrich van Rüschen aus eigener Erfahrung. Auch über solche Dinge ist er mit den Menschen ins Gespräch gekommen,
wenn er in den vergangenen Jahren vor dem Volkstrauertag unterwegs war.
14 Tage lang war er in diesen Jahren jeden Abend für etwa drei Stunden von Haustür zu Haustür unterwegs. „Um 20 Uhr muss Schluss sein, habe ich mir immer gesagt“, erzählt er. Auf seinen Runden durch die Stadt und auch durch die Außenbereiche besuchte der bald 74-Jährige Stammkunden, aber auch immer wieder neue Haushalte.
„Manche Menschen geben einen Euro, den sie sich mühsam vom Kleingeld abzählen müssen,“ schildert er eine Erfahrung. Andere können großzügig sein und spenden größere und kleinere Geldscheine.
Aber die Summe spielt für den überzeugten Spendensammler keine besondere Rolle - ihm geht es vor allem um das wichtige Thema.

„Wenn man an fünf Haustüren nichts bekommen hat, ist man aber schon frustriert“, gesteht auch Diedrich van Rüschen, der durch einen Aufruf im Haller Kreisblatt auf die Arbeit des Volksbundes aufmerksam wurde. „Wir haben damals neue Spendensammler gesucht“, erinnert Manfred Warias sich noch ganz genau. Ab dem Jahr 2006 ist Diedrich van Rüschen dabei.

Mehr als 200 Hausbesuche sorgen für Rekordergebnisse

489 Euro war sein erstes Sammelergebnis. Damals gab es noch weitere Sammler. Doch seit dem Jahr 2009 ist Diedrich van Rüschen allein in Borgholzhausen für die Kriegsgräberfürsorge unterwegs. Was das Gesamtergebnis allerdings nicht schmälert. 2012 übergab er erstmals mehr als 1.000 Euro. Sein Rekordjahr war 2018: Da kamen 1.748,65 Euro zusammen und auch das vergangene Jahr war mit 1.526 Euro kaum schlechter.

Für seinen immensen Einsatz erhielt er bereits vor einigen Jahren die silberne Ehrennadel und jetzt eben die goldene. Diedrich van Rüschen freut sich darüber, aber das ist natürlich nicht sein Antrieb. Spendensammler des Volksbundes haben die Möglichkeit, zehn Prozent des Geldes, das sie zusammenbekommen, als eine Art Aufwandsentschädigung zu behalten. „Aber das habe ich nie gemacht“,
erklärt van Rüschen. Ihn treibt anderes um. Als er den Aufruf las, „hatte ich noch ein bisschen Zeit“, schmunzelt er. „Ich habe mir gedacht: Du hattest ein gutes Leben und jetzt kannst du mal ein wenig zurückgeben“, erklärt er. Deshalb wurde seine Motivation im Laufe der Jahre auch nicht geringer - im Gegenteil. Doch inzwischen werden die Gespräche anstrengender und Diedrich van Rüschen hofft auf Nachfolger. Denn die Themen bleiben wichtig: „In der Welt ist vieles nicht in Ordnung. Die Demokratie ist auf dem Rückzug“, sagt er. Man muss für sie arbeiten.

Autor und Fotograf: Andreas Großpietsch
Quelle: Haller Kreisblatt
 

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