Als letzten Programmpunkt an diesem Nachmittag stellen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Petrinum sehr vielfältige Ergebnisse vor, die sie in ihrer Projektarbeit zum „Russenfriedhof“ erarbeitet haben: Ein Film thematisiert fiktionale Tagebucheinträge eines Zwangsarbeiters aus Dorsten, die auf Recherchen von Schülerinnen und Schülern beruhen. Er berichtet von den engen Baracken, in denen sie untergebracht waren. Der Zwangsarbeiter ist mit zwei Kameraden geflüchtet. Dabei hat er mit ansehen müssen, wie seine Freunde erschossen wurden. Er selbst ist vom Wachpersonal ergriffen worden, aber am Leben geblieben. Seine Gedanken kreisten um den Tod und seine Familie. Die Schülerinnen und Schüler verstehen die Geschichte als Teil ihrer/unserer Verantwortung.
In einem weiteren Beitrag erläutert ein Plakat in kurzen Stichworten, was Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges bedeutete: Menschen sind insbesondere in der Rüstungsindustrie ausgebeutet worden, haben unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt, sind an Krankheiten und Hunger gestorben oder vom Wachpersonal ermordet worden. In Form eines Comics wird das Leben des Pawel Maslowskij präsentiert: Bis er in den Krieg eingezogen wurde, hat er als Landwirt gearbeitet. Nach seiner Gefangennahme hat er in Deutschland Zwangsarbeit im Bergbau leisten müssen. Viele seiner Kameraden sind dort gestorben und er selbst mit einer Verletzung ins Lazarett gekommen, bevor auch er daran gestorben ist. Pawel Maslowskij ist an unbekannter Stelle auf dem „Russenfriedhof“ beerdigt. Mit einem Gedicht rufen Schüler dazu auf, aller Opfergruppen zu gedenken, darunter auch den Zwangsarbeitskräften: „Wir müssen alles tun, um ihr Schicksal nicht zu vergessen. “Ein abschließender Poetry Slam fragt nach dem Wert eines Menschen, wenn er still verscharrt und vergessen auf einem Friedhof ruht.
In eindrucksvollen Beiträgen haben sich die Schülerinnen und Schüler mit den Schicksalen der sowjetischen Kriegsgefangenen auseinandergesetzt. Die erweiterte Namenliste bietet eine weitere Grundlage für die Erinnerungsarbeit. Ein nächster Schritt wird sein, die nun bekannten Namen der Kriegstoten auf dem Friedhof zu veröffentlichen.
Weitere Information über das “Plennyje-Projekt” finden Sie hier.
Text und Bilder: Vanessa Wilke