Essen. Bereits zum fünften Mal lud der Landesverband NRW im Volksbund zu seiner Veranstaltungsreihe „Ge(h)denken! Monat des Kriegsgrabs im September“ ein. 17 Veranstaltungen fanden in kleineren und größeren Orten statt; insgesamt nahmen mehr als 500 Besucherinnen und Besucher teil. Fortsetzung in 2026 folgt.
Weitere Wege gehen, dabei erinnern, sich austauschen - das konnte man in diesem Jahr gleich an mehreren Orten: In Hörstel (Kreis Steinfurt) begaben sich 15 Wanderbegeisterte auf eine Tour zu drei Kriegsgräberstätten im Teutoburger Wald. Ein Ortskundiger und eine Zeitzeugin berichteten dort über die Hintergründe ihrer Entstehung. 18 Interessierte nahmen an einer Stadtwanderung in Münster teil - vom Überwasserfriedhof zum Zentralfriedhof. 80 Interessierte folgten dem Gedenkpfad zu „Euthanasie“-Verbrechen in Lengerich (Kreis Steinfurt). Zu einem Spaziergang rund um das ehemalige Offizierslager in Warburg-Dössel kamen 30 Gäste.
Auch auf großen städtischen Friedhöfen muss man gut zu Fuß sein: Die Kriegsgräberstätten liegen in der Regel in verschiedenen Ecken eines Friedhofs. In Krefeld führte ein Historiker 10 Gäste zu den insgesamt vier Kriegsgräberstätten auf dem dortigen Hauptfriedhof. In Bochum ließen sich 45 Bürgerinnen und Bürger zu einem Gang über den Blumenfriedhof animieren.
Sich zurücklehnen, zuhören, aber auch mitdiskutieren konnte man dagegen bei Vorträgen, die in Innenräumen stattfanden. Im Emscherland-Museum Herne stellte ein Mitarbeiter des Volksbund-Archivs der Bundesgeschäftsstelle Kriegsbiographien und persönliche Dokumente von Kriegstoten vor. In Hövelhof (Kreis Paderborn) berichtete der Historiker Daniel Bißmann rund 50 interessierten Gästen über das Projekt “Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte” des Volksbundes. Ebenfalls 50 Personen folgten dem Vortrag des Historikers Christoph Lorke zur Erinnerungskultur in Herford nach dem Zweiten Weltkrieg und diskutierten im Anschluss zum Teil kontrovers.
Inhaltlich wurden verschiedenste Aspekte der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus thematisiert: die Rückzugsgefechte im Jahr 1945 ebenso wie die Themen Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft, „Euthanasie“ und Bombenkrieg. Viele der Besucherinnen und Besucher haben biographische Bezüge teilten ihre Erinnerungen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Auf den heute oft idyllisch gelegenen Kriegsgräberstätten offenbaren sich beim genaueren Hinschauen die Schrecken der Kriege und der Diktatur. Eindrücke, die bei den meisten Besucherinnen und Besuchern länger nachhallen. Unter anderem bewegt die Ermordung psychisch Kranker und geistig Behinderter noch heute viele Menschen. Die Gäste zeigten überwiegend große Dankbarkeit für die Angebote.
Mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges steigt das Interesse an den originären Gedenkorten. Deshalb will der Volksbund NRW spätestens im September 2026 wieder an mehreren Orten „ge(h)denken“.
Stefan Schmidt