Stukenbrock/Bielefeld/Schloss Neuhaus. Bereits seit mehreren Jahren ist das Projekt „Mediengestützte Erinnerungsarbeit“ fester Bestandteil der Bildungspartnerschaft zwischen dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Haus Neuland, der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne und dem Berufskolleg Schloß Neuhaus. Auch in diesem Jahr setzten sich 38 Schülerinnen und Schüler im Rahmen des zweitägigen Projekts intensiv mit der Geschichte sowjetischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg auseinander und entwickelten daraus eigenständig kreative Medienprodukte.
Der erste Projekttag stand im Zeichen der historischen Orte. Bei einer Führung durch die Gedenkstätte Stalag 326 sowie über die benachbarte Kriegsgräberstätte lernte die Gruppe zunächst die Geschichte dieser Orte sowie die Schicksale der dort inhaftierten und verstorbenen Menschen auseinander. Mithilfe von authentischen Exponaten und Berichten von Überlebenden erschlossen sich die Schülerinnen und Schüler anschließend unterschiedliche Themenbereiche, wie das (Über)Leben im Lager, die Ernährungssituation oder die Zwangsarbeit.
Im Anschluss entwickelten die Gruppen eigene Fragestellungen und Schwerpunkte und entschieden sich für das Format ihres Medienproduktes. Die Teilnehmenden sichteten Quellen, sammelten Material und nahmen erstes Bild- und Tonmaterial in der Gedenkstätte und auf dem Friedhof auf.
Am zweiten Projekttag ging es an die praktische Medienarbeit. In Kleingruppen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler selbstständig an ihren gewählten Formaten und setzten ihre Ideen in Podcasts und Videos um. Von der Recherche über die inhaltliche Strukturierung bis hin zu Aufnahme, Schnitt und Fertigstellung gestalteten sie ihre Projekte eigenverantwortlich und mit viel Kreativität.
Bei der abschließenden Präsentation wurden die Ergebnisse aller Gruppen vorgestellt. Ein besonderes Highlight war in diesem Jahr die Arbeit einer Gruppe, die sich erstmals für die Form eines Poetry Slams entschied. Mit eindrucksvollen Worten und einer ungewöhnlichen Perspektive gelang es den Schülerinnen und Schülern, historische Erinnerung in eine moderne Ausdrucksform zu übersetzen. Gerade diese kreative Herangehensweise zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig und gegenwartsnah Erinnerungsarbeit gestaltet werden kann.
Das Projekt machte erneut deutlich, wie gewinnbringend die Verbindung aus historisch-politischer Bildung, selbstständigem Lernen und digitaler Medienarbeit sein kann. Die intensive Auseinandersetzung mit Geschichte fördert nicht nur das historische Bewusstsein, sondern stärkt zugleich Medienkompetenz, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, eigene Perspektiven kritisch und kreativ zu entwickeln. Die eigenständige, kreative Arbeit an einem selbstgewählten Thema ist für die Schüler und Schülerinnen jedes Jahr besonders motivierend.
Text: Lena Wiele