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Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen
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Ich bin Deutschland

Lesung und Appell für einen liberalen Patriotismus

Das Foto zeigt den Autor Dominik Wullers in der Bildmitte mit rotem Pullover am Mikrofon bei einer Lesung aus seinem Buch „Ich bin Deutschland“. Im Hintergrund des Fotos ist der Schriftzug „Herta-Lebenstein-Realschule“ zu erkennen und neben ihm die Deutschland-Flagge. Die Aula ist sehr gut gefüllt.

Lesung von Dominik Wullers in der Aula der Herta-Lebenstein-Realschule in Stadtlohn Jens Effkemann

Stadtlohn. Der gebürtige Stadtlohner Dominik Wullers, der jetzt für die EU-Kommission in Brüssel arbeitet, hatte sich einiges vorgenommen. Neben einer abendlichen Lesung in seiner Heimatstadt anlässlich der “Internationalen Wochen gegen Rassismus” stand er vor der eigentlichen Veranstaltung gleich für zwei Lesungen in der Herta-Lebenstein-Realschule dem 8. und 9. Jahrgang zur Verfügung. Überdies stand er am Tag danach Oberstufenschülerinnen und -schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zu seinem Buchprojekt „Ich bin Deutschland. Plädoyer für einen liberalen Patriotismus“ Rede und Antwort.

Mit dem Betreten der Herta-Lebenstein-Realschule betrat der Rüstungsbeamte und Autor am ersten Morgen seines Lesemarathons gleich in zweifacher Hinsicht Neuland. Zum einen besuchte Dominik Wullers zum ersten Mal die Realschule, die er damals wegen seines besten Freundes aus Kindertagen gerne selbst besucht hätte, zum anderen hatte er sein Buch und sein Plädoyer noch niemals vor Schülerinnen und Schülern dargestellt. Dabei ging das Konzept der Lesung und Veranstaltung mit den Schülerinnen und Schülern völlig auf. Nach einführenden Worten des Schulleiters Stefan Wichmann und dem ersten Lesungsblock mit Schilderungen aus seiner Kindheit und Jugendzeit inklusive der daraus resultierenden Suche nach Identität (als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters im westlichen Münsterland) konnten die Schülerinnen und Schüler einige Fragen an Dominik Wullers stellen, die sie zuvor mit ihren Lehrkräften im Unterricht vorbereitet hatten. Auch nach den zwei weiteren Lesungsblöcken zum Thema „Identitätsfindung bei der Bundeswehr“ und „Erleben der Kraft des Patriotismus in den USA“ ließ die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler und deren Fragendrang nicht nach. Der Politiklehrer Andreas Walde, der die Schullesungen maßgeblich vorbereitet und moderiert hatte, war sehr beeindruckt von den vielen spontanen Fragen aus dem jungen Publikum. Schnell war das Eis zwischen Dominik Wullers und den Schülerinnen sowie Schülern gebrochen. Über die Fragen zur Kindheit und Jugend in Stadtlohn mit den dort erlebten Ausgrenzungserfahrungen stellten sie zahlreiche Fragen zu seinem Werdegang bei der Bundeswehr sowie zu seinem heutigen Erleben der USA und der aktuellen Sicherheitslage in Europa (auf der Welt).

Daneben ging es bei den beiden Lesungen in der Herta-Lebenstein-Realschule immer wieder um das Thema „Patriotismus“. Die Schülerinnen und Schüler fragten sich, wie man als Deutsche patriotisch sein sollte und ob dabei nicht die Gefahr bestünde, andere (Länder) auszugrenzen. In seinen Antworten zum Thema differenzierte Dominik Wullers dabei stets zwischen Patriotismus (einer besonderen Verbundenheit zu seinem Heimatland) und Nationalismus (einer Überhöhung der eigenen Nation auf Kosten anderer). Aufgrund seiner Erfahrungen auf EU-Ebene sei für ihn zudem nicht erkennbar, dass eine besondere Verbundenheit mit seinem eigenen Land (Patriotismus) automatisch zu feindlichem Handeln gegenüber anderen führen müsse. „Engländer, Franzosen, Italiener und Niederländer sind häufig auch in besonderer Weise mit ihrem Land verbunden, ohne dabei den Drang zu verspüren, andere Länder stets überfallen zu wollen", betonte Dominik Wullers mit einer großen Portion Humor. „Was hält uns mit Blick in das wunderbare Grundgesetz davon ab, abseits von Länderspielen mal die Deutschlandflagge in die Hand zu nehmen und unsere Gemeinschaft in diesem Land mit Freude zu feiern? Was haltet ihr davon eine Schul-Party anlässlich des Nationalfeiertages zu machen?“, fragte der Autor gezielt die Jugendlichen.

Welche Irritationen bereits das Tragen der Deutschland-Flagge durch die Stadtlohner Innenstadt vor den beiden Schullesungen ausgelöst hatte, davon konnte der Lehrer Andreas Walde berichten. Er hatte die große Flagge am Morgen vom Bürgermeister in die Schulaula gebracht und damit einige fragende Blicke ausgelöst. Gleichzeitig hat die Aktion vielleicht ebenso dazu beigetragen, dass die Schulaula auch am Abend zur Lesung von Dominik Wullers mit etwa 100 Personen gut gefüllt gewesen ist. Neben vielen interessierten Menschen aus Stadtlohn sowie einigen Familienmitgliedern und Freunden des Autors nahm ein Schüler mit seiner Familie an der Veranstaltung teil, der bereits am Vormittag dabei war und somit nochmals unterstrich, wie bewegend die Lesung für ihn in der Schule gewesen ist. Erstaunlicherweise stellten die Erwachsenen am Abend ähnliche, aber weniger Fragen. Gleichwohl ist auch am Abend eine äußerst positive Resonanz auf die Lesung zu spüren gewesen, wovon vor allem die vielen verkauften Bücher und Bitten um Signatur zeugten.

Am Vormittag nach der Lesung durfte es sich Dominik Wullers dann in einem besonders bequemen Sessel auf der Bühne des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gemütlich machen. Hier las er ähnliche Passagen aus seinem Buch, wie in der Herta-Lebenstein-Realschule am Tag zuvor. Das gemütliche Lesen wurde nach jeder Passage allein durch eine Fragerunde am Stehtisch mit dem Lehrer Andreas Osterkamp unterbrochen. Die Besonderheit war, dass die Fragen der Oberstufenschülerinnen und -schüler zum Autor und zu den Buchinhalten direkt über die mobilen Endgeräte gestellt werden konnten und auf der Leinwand in der Aula, hinter dem Leser Dominik Wullers angezeigt wurden. Auch einige Gymnasiasten beschäftigte bei der Lesung die Frage, warum eine besondere Verbundenheit mit Deutschland nötig sei. „Müssen wir uns nicht viel mehr nach Europa orientieren?“, so fragte es ein Schüler zum Abschluss. Nach seinen Erfahrungen auf EU-Ebene antwortete Dominik Wullers darauf wie folgt: „Die EU ist für uns in Deutschland unbestritten eine wichtige Institution und die vereinigten Staaten von Europa ein lohnendes Ziel. Die Realpolitik zeigt aber, dass die entscheidende Macht weiterhin von den Nationalstaaten ausgeht und man in der Folge mit einem gesunden Selbstwertbewusstsein als Deutschland agieren sollte.“

Die Lesungen und Veranstaltungen mit Dominik Wullers fanden kurz vor dem “Internationalen Tag gegen Rassismus” (21. März 2026) in Kooperation mit der Stadt Stadtlohn, dem Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, der Buchhandlung Wüllner und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. statt. Im vergangenen Jahr hatte der Volksbund den Autor bereits anlässlich einer Ausstellung zum ersten Veteranentag in Deutschland zu einer Lesung nach Münster eingeladen.

 

Fotos und Text: Jens Effkemann (Regionalgeschäftsführer)