Und 80 Jahre danach?

Toleranz und Respekt sind in meinen Augen die Basis für ein gutes Miteinander.

In der Reihe „Und 80 Jahre danach?“ fragen wir Menschen, was sie heute mit dem 22. Juni 1941 verbinden. Werner Dürdoth hat lange Zeit Workcamps des Volksbundes geleitet. Er hat viele positive Erinnerungen aus diesen Camps mitgebracht und er ist sich sicher, dass diese Begegnungen einen wichtigen Beitrag zum Frieden leisten. 

Welche persönliche Geschichte /welches Erlebnis verbindet Sie heute mit dem Krieg gegen die Sowjetunion? 
Eine persönliche, konkrete Geschichte, die mich mit dem Krieg gegen die Sowjetunion verbindet, kann ich eigentlich gar nicht benennen. Ich bin in Ostwestfalen aufgewachsen, und das gehörte nach dem Krieg zur britischen Besatzungszone. Also keine Berührungspunkte mit der Sowjetunion. Auch sind keine Familienangehörigen von mir während der Kriegszeit im Osten im Einsatz gewesen. 
Dennoch hat die Sowjetunion und ihre teils tragische Geschichte immer eine große Faszination auf mich ausgeübt - vielleicht, weil alles so weit weg war.
Den ersten Kontakt mit russischen Jugendlichen hatte ich während eines internationalen Workcamps in Dortmund, welches ich leitete. Die Tatsache, dass junge Menschen aus dem Land, welches Nazi-Deutschland überfallen und welchem es so großes Leid zugefügt hat, nach Deutschland gekommen sind, um überwiegend deutsche Kriegsgräber zu pflegen, hat mich erstaunt und fasziniert. Unvoreingenommen und großherzig – so habe ich diese Jugendlichen erlebt und der Wunsch reifte in mir, Land und Leute näher kennenzulernen. 
Bald ergab sich für mich die Möglichkeit, die Workcamps in Daugavpils und Sigulda (beide Lettland) sowie in Rshew (Russland) zu leiten. In Lettland und Russland wurden die deutschen Volksbund-Reisenden sehr herzlich aufgenommen und über die Zeit der Camps wunderbar betreut. Die schwierige Geschichte zwischen den Ländern spielte keine Rolle; die jungen Leute haben sich vorurteilsfrei kennen– und schätzen gelernt. 
Wenn ich an Russland denke, denke ich zuerst an diese tolle Gastfreundschaft zurück. Und es machte sehr viel Spaß, mit deutschen und russischen Jugendlichen zusammen zu arbeiten und wirkliche, nationenübergreifende Gemeinschaft zu leben. Das war die sprichwörtliche „Versöhnung über den Gräbern“ – ohne „Wenn und Aber“. 

Wo nahm Ihr Engagement den Anfang und was bedeutet es heute für Sie? 
Mein Einstieg in das Engagement beim Volksbund begann für mich bei der Bundeswehr. Es wurden Busfahrer für Pflegeeinsätze in Frankreich gesucht. Durch diese Fahrten lernte ich die Arbeit des Volksbundes näher kennen. Da ich in meiner Heimatstadt bereits in der Jugendarbeit bei Kolping tätig war, wurde ich über den Volksbund angefragt, die Leitung des internationalen Workcamps in Dortmund zu übernehmen. Dieses habe ich gern getan und fortan fast jedes Jahr ein Workcamp mit Jugendlichen, Soldaten oder Reservisten geleitet. 
Ich habe dadurch interessante Menschen unterschiedlichster Nationen kennengelernt und sehr viel über ihre Traditionen und Lebensweisen erfahren. Toleranz und Respekt sind in meinen Augen die Basis für ein gutes Miteinander. In den Camps des Volksbund habe ich jedes Mal eine tolle Gemeinschaft und eine sehr gute Aufnahme bei der hiesigen Bevölkerung erlebt. Es gibt unzählige schöne Erlebnisse, an die ich gern zurückdenke – und dies macht mich sehr dankbar. 

Welche Botschaft möchten Sie für die Zukunft weitergeben? 
Es ist sehr wichtig, auf Menschen zuzugehen, sie unvoreingenommen kennenzulernen und unterschiedliche Meinungen zu respektieren. In einer guten Gemeinschaft kann man sehr viel bewegen, und die Unterstützung jedes Einzelnen trägt zum Gelingen bei und verdient Anerkennung.  
Seit über 30 Jahren unterstütze ich nun die Arbeit des Volksbundes. Seine internationale Jugendarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur heutigen Friedensarbeit, und ich wünsche mir sehr, dass diese erfolgreiche Arbeit auch über die nächsten Jahrzehnte fortgeführt werden kann. 
 

Privatsphäre Einstellungen

Notwendige Cookies sind für den reibungslosen Betrieb der Website zuständig, indem sie Kernfunktionalitäten ermöglichen, ohne die unsere Website nicht richtig funktioniert. Diese Cookies können nur über Ihre Browser-Einstellungen deaktiviert werden.

Anbieter:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Datenschutzerklärung

Statistik-Cookies dienen der Anaylse und helfen uns dabei zu verstehen, wie Besucher mit unserer Website interagieren, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden. Auf Basis dieser Informationen können wir unsere Website für Sie weiter verbessern und optimieren.

Anbieter:

Google Ireland Limited

Datenschutzerklärung