Und 80 Jahre danach?

Beatrix Balzar

Ohne die Hilfe des Volksbundes wäre es für mich nicht möglich gewesen, den Gefallenenort meines Opas zu finden oder gar zu besuchen.

In der Reihe „Und 80 Jahre danach?“ fragen wir Menschen, was sie heute mit dem 22. Juni 1941 verbinden.

Beatrix Balzar kam über ihre eigene Familiengeschichte zum Volksbund. Heute unterstützt sie den Verein auf vielfältige Weise. 


Welche persönliche Geschichte/welches Erlebnis verbindet Sie heute mit dem Krieg gegen die ehemalige Sowjetunion?

Mein Großvater, Rudolf Arens, ist im Zweiten Weltkrieg in Russland gefallen. Vor einigen Jahren kam ich in den Besitz der Nachlasssachen meiner Großeltern. Rührende Liebesbriefe, Fotos aus einer glücklichen und unbeschwerten Zeit, Feldpostbriefe – die Gefallenenmeldung. „Volltreffer“ hieß es dort. Sterbliche Überreste konnten nicht geborgen werden. Mit der Zeit und nach vielen Recherchen kam mir das Schicksal meiner Großeltern immer näher. Ich beschloss, nach Russland in den Gefallenenort meines Großvaters zu reisen und ihm dort ein Ehrengrab zu errichten. Mit einem gesegneten Kreuz und Heimaterde im Gepäck trat ich diese Reise an.

 

Wo nahm Ihr Engagement den Anfang und was bedeutet es heute für Sie?

Ohne die Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wäre es für mich nicht möglich gewesen, den Gefallenenort meines Opas zu finden oder gar zu besuchen. Seitdem reise ich jedes Jahr nach Russland und begleite die Mitarbeiter des Volksbundes bei ihrer wichtigen Arbeit. Ich bin Angehörigen bei der Schicksalsklärung ihrer Lieben behilflich und halte Vorträge über meine Reisen und alles Erlebte vor Ort; wie z.B. die Umbettungen. Ich suche Originalunterlagen aus der damaligen Zeit, wie Fotos von Wehrmachtsfriedhöfen oder Feldpostbriefe, die ich dann dem Volksbund zur Sicherung in dessen Archiv übergebe. Ich kümmere mich um die Kriegsgräber vor Ort; zünde regelmäßig Kerzen dort für die Gefallenen an. Ich halte auf Einladung des Volksbundes Volkstrauertagsreden in verschiedenen Gemeinden. In Erinnerung an alle Kriegstoten ist mir meine Unterstützung für den Volksbund zur Herzensangelegenheit geworden.

 

Welche Botschaft möchten Sie für die Zukunft weitergeben?

Wer einmal auf einer Kriegsgräberstätte gestanden und die vielen, vielen Namen der Gefallenen gelesen hat, der wird dies nicht mehr vergessen. Wir müssen aus den Grauen der Kriege die richtigen Schlüsse ziehen und alles dafür tun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt! Ich persönlich halte dabei die Jugend- und Bildungsarbeit, wie z.B. die des Volksbundes, für äußerst wichtig! Die Gräber der Gefallenen müssen gesucht und umgebettet werden, damit die Toten endlich auf würdigen Gedenkstätten ruhen und Angehörige dort Abschied nehmen können. Ich fände besonders schön, wenn Letzteres geschehen könnte, denn es ist meine persönliche und wichtigste Intention.
 

🍪 Cookie Einstellungen

Erforderlich

Diese Cookies sind für den Betrieb der Webseite zwingend erforderlich. Hier werden bspw. Ihre Cookie Einstellungen gespeichert.

Statistik

Wir verwenden Google Statistik Cookies um zu verstehen, wie Sie mit unserer Webseite interagieren.