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Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen
Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen

Von den Nationalsozialisten zur Staatssicherheit der DDR

Studienreise des Kreisverbandes Höxter im Volksbund nach Sachsen und Schlesien

Eine Gruppe Erwachsener steht auf einer Treppe vor einem riesigen Mahnmal und schaut in die Kamera.

Gruppenfoto am Gedenkort Groß-Rosen Privat

Höxter-Dresden-Breslau-Bautzen. Die drei Kernaufgaben des Vereins die Kriegsgräberpflege, das Erinnern und Gedenken sowie die historisch-politische Bildung lassen sich im Zuge von Studienreisen am unmittelbarsten erleben. Lesen Sie dazu den folgenden Reisebericht von Monika Müller-Jakobi, die gemeinsam mit Werner Dürdoth (Vorstandsmitglied im Kreisverband Höxter) eine Reise des Volksbundes nach Dresden, Breslau und Bautzen begleitet hat.

 

Nordfriedhof in Dresden

„Am Anreisetag bis Dresden bezogen wir das direkt an der Elbe gelegene Hotel Mercure, ein im Inneren modernes Hotel, bei dem aber bewusst die ehemalige DDR-Fassade erhalten worden ist. Der zweite Tag begann mit einer Stadtführung in Dresden. Hierbei bekamen wir einen Einblick in die Geschichte der Stadt an der Elbe und sahen ihre prächtigen Plätze und eindrucksvollen Bauwerke. Während der Führung tauchten wir in die facettenreiche Welt der Dresdner Altstadt ein. Wir erfuhren etwas über die Stadtentwicklung vor und nach der Wende. Im Anschluss besuchten wir den Nordfriedhof, der seit 2010 unter Denkmalschutz steht und als bedeutender Ort an die Opfer politischer Gewaltherrschaft erinnert. Hier wurden wir von einem Historiker, der für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge arbeitet, in einige Geschichten zu den Soldaten und den Zivilbürgern eingeweiht. Das ist das Außergewöhnliche an dieser Ruhestätte, dass hier sowohl Soldaten als auch wohlhabende Bewohner der Stadt beigesetzt sind.

Erkundung von Breslau

Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Breslau. Der Tag endete mit einem geführten Rundgang über den Breslauer Marktplatz. Nach Venedig und St. Petersburg ist Breslau die Stadt mit den meisten Brücken in Europa. Das bis heute unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt ist das gotische Rathaus, das wir besuchen durften. Einen Einblick bekamen wir auch in das Innere der prachtvollen Leopoldina, der Universität.

Deutsche Kriegsgräberstätte Groß Nädlitz/ Nadolice-Wielkie in Polen

Am Nachmittag fuhren wir zu der deutschen Kriegsgräberstätte „Friedenspark Groß Nädlitz/ Nadolice“. Hierbei handelt es sich um eine ca. drei Hektar große deutsche Kriegsgräberstätte, auf der etwa 23.000 Gefallene bestattet sind.

Am Abend bietet Breslau den Besuchern die Möglichkeit, dem Laternenanzünder der manuell betriebenen Gaslaternen durch die historischen Straßen zu folgen. Dieses Angebot nahmen viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Reise wahr, um so auch wieder ein wenig Abstand zu den emotional ergreifenden Erfahrungen des Nachmittags auf der Kriegsgräberstätte zu machen.

Gedenkstätte Groß-Rosen

Am vierten Tag besuchten wir die Gedenkstätte Groß-Rosen. Dieses ehemalige Konzentrationslager durchliefen 125.000 Häftlinge, etwa 40.000 Insassen starben unter den Haftbedingungen. Die SS errichtete hier im Sommer 1940 ein Nebenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Nach diesen emotional ergreifenden Erfahrungen unternahmen wir zur Entspannung eine Bootsfahrt auf der Elbe und erfreuten uns an der Silhouette der Odermetropole.

Bautzen: Aspekte der DDR-Geschichte

Am fünften Tag fuhren wir weiter nach Bautzen. Diese Hauptstadt der Sorben gilt als ein Kleinod Deutschlands und wurde kaum zerstört. Bei einer Stadtführung erfuhren wir einiges über das Leben der Sorben. In der DDR war Bautzen eine gefürchtete Stadt, da sie der Hauptsitz der Staatssicherheit war. Das ehemalige Gefängnis der Stasi besuchten wir am Nachmittag. Für uns Teilnehmer und Teilnehmerinnen war auch das eine tiefgreifende Erfahrung. Ein Führer erzählte uns viele Geschichten über den Umgang mit den Insassen. Diejenigen, denen eine besondere Strafe auferlegt werden sollte, etwa weil sie einen Fluchtversuch unternommen hatten, wurden in Einzelzellen für Tage oder sogar Wochen verlegt. Wenn sie dazu noch härter bestraft werden sollten, bekamen sie eine Einzelzelle, bei der die Toilette mit einem Gitter von der Zelle abgetrennt war. Nicht auszudenken, was mit der Notdurft geschah.

Den Abend verbrachten wir in einem typischen sorbischen Restaurant, wo wir von der Hausdame in original sorbischer Tracht begrüßt wurden.

Am Samstag fuhren wir mit vielen neuen, beschaulichen, aber auch erschreckenden Erkenntnissen wieder Richtung Nordrhein-Westfalen.“

Text: Monika Müller-Jakobi