Am fünften Tag fuhren wir weiter nach Bautzen. Diese Hauptstadt der Sorben gilt als ein Kleinod Deutschlands und wurde kaum zerstört. Bei einer Stadtführung erfuhren wir einiges über das Leben der Sorben. In der DDR war Bautzen eine gefürchtete Stadt, da sie der Hauptsitz der Staatssicherheit war. Das ehemalige Gefängnis der Stasi besuchten wir am Nachmittag. Für uns Teilnehmer und Teilnehmerinnen war auch das eine tiefgreifende Erfahrung. Ein Führer erzählte uns viele Geschichten über den Umgang mit den Insassen. Diejenigen, denen eine besondere Strafe auferlegt werden sollte, etwa weil sie einen Fluchtversuch unternommen hatten, wurden in Einzelzellen für Tage oder sogar Wochen verlegt. Wenn sie dazu noch härter bestraft werden sollten, bekamen sie eine Einzelzelle, bei der die Toilette mit einem Gitter von der Zelle abgetrennt war. Nicht auszudenken, was mit der Notdurft geschah.
Den Abend verbrachten wir in einem typischen sorbischen Restaurant, wo wir von der Hausdame in original sorbischer Tracht begrüßt wurden.
Am Samstag fuhren wir mit vielen neuen, beschaulichen, aber auch erschreckenden Erkenntnissen wieder Richtung Nordrhein-Westfalen.“
Text: Monika Müller-Jakobi