Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen
Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen

"Wir alle sind für den Frieden verantwortlich."

Zentrale Gedenkstunde des Landes Nordrhein-Westfalen zum Volkstrauertag 2025 in Erkelenz

Kranzniederlegung am Hochkreuz auf dem Zentralfriedhof in Erkelenz mit General Hans-Dieter Müller, Chef des Landeskommandos NRW, Landtagspräsident André Kuper MdL, Ministerin Dorothee Feller, dem Landesvorsitzenden des Volksbundes, Thomas Kutschaty MdL, Staatsminister a.D., und Bürgermeister Stephan Muckel. Mark Hermenau

Düsseldorf. Essen. Erkelenz. Zur diesjährigen zentralen Volkstrauertags-Gedenkstunde in Nordrhein-Westfalen sind am Samstag, 15. November 2025, in der St. Lambertus-Kirche rund 300 Gäste zusammengekommen, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik, Akteure aus Erkelenz und Umgebung, geladene Gäste und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Eingeladen hatten die Landesregierung, der Landtag und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband NRW. 

Der Volkstrauertag ist allen Toten von Krieg, Gewalt und Terror gewidmet und dient zugleich der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Gerade der mahnende Charakter wurde in diesem Jahr besonders betont, denn der Volkstrauertag stand 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem unter dem Eindruck des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und des Kriegs im Nahen Osten.

In diesem Jahr begrüßte der Vorsitzende des Landesverbandes NRW im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Staatsminister a.D. Thomas Kutschaty MdL, die Gäste. Der Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen, André Kuper MdL, hielt die Gedenkrede. Als Vertreterin der Landesregierung verlas Dorothe Feller, Ministerin für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen, das Totengedenken.

Der Bürgermeister von Erkelenz, Stephan Muckel, sagte: „In Erkelenz gib es eine sehr lebendige Gedenk-Kultur, an der sich seit vielen Jahren unter anderem die weiterführenden Schulen, der Heimatverein, die Kirchengemeinden, verschiedene Chöre sowie die Bezirksausschüsse und viele Dorfgemeinschaften in unterschiedlicher Form beteiligen. In Zeiten, in denen Krieg und Gewaltherrschaft wieder präsenter denn je sind, spielen Erinnerung und Mahnung eine besondere Rolle. Wir freuen uns deshalb über die besondere Aufmerksamkeit für dieses Thema mit der zentralen Gedenkfeier des Landes Nordrhein-Westfalen zum Volkstrauertag in diesem Jahr in unserer Stadt“.

Der Landesvorsitzende des Volksbundes, Thomas Kutschaty, betonte: „Am Volkstrauertag halten wir inne. Wir blicken zurück auf die Menschheitskatastrophe der Weltkriege. Wir schauen aber auch auf die gegenwärtige, unruhige und kriegerische Welt. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen für unsere europäischen Werte – für Freiheit und Frieden, für Demokratie und Menschenrechte. Dabei können wir auf unsere Stärken vertrauen.“

Der Präsident des Landtags, André Kuper MdL, unterstrich: „Diese Welt hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Kriege und Konflikte gesehen. Wir gedenken heute auch ihrer Opfer. Die schmerzhaften Begegnungen in Israel und in den palästinensischen Gebieten haben mich gelehrt: Wir müssen die Widersprüche und offenen Fragen aushalten, um der Hoffnung auf ein Ende der Gewalt den Weg zu bereiten. Auch dazu mahnt der Volkstrauertag. Er ist und bleibt mit unserer deutschen Geschichte in besonderer Weise verbunden. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, unsere Verantwortung zur Völkerversöhnung den jungen Menschen in unserem Land nahezubringen. Unsere Demokratie und ihre Werte sind ein Angebot der Freiheit und unser Weg, der Welt unseren Friedens- und Freiheitswillen zu bezeugen.“

Ministerin Dorothee Feller sagte: „Der Volkstrauertag mahnt uns, welches Leid Krieg, Gewalt und Diktatur über Menschen gebracht haben, und wie wichtig es ist, das nie zu vergessen. Erinnerung ist mehr als ein Rückblick – sie ist ein Dialog zwischen den Generationen. Wenn sich junge Menschen den Geschichten und Schicksalen der Vergangenheit öffnen, übernehmen sie Verantwortung für das Morgen. Sie halten das Gedenken wach und tragen Hoffnung in die Zukunft. Was wir heute in Erkelenz erleben, ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen lebt – und weitergetragen wird.“

Schülerinnen und Schüler des Cornelius-Burgh-Gymnasiums und des Cusanus-Gymnasiums präsentierten in der Gedenkstunde in einer Rede und einem Film die Bedeutung der Gedenk- und Erinnerungskultur in der Stadt Erkelenz und in den Schulen und stellten besonders heraus, welche Bedeutung das Erinnern und Gedenken für einzelne Bürgerinnen und Bürger und sie persönlich hat. Eine szenische Lesung aus Feldpostbriefen des Erkelenzers Anton Roggen (1897-1916) an seine Familie aus dem Ersten Weltkrieg zeigte, was Krieg für den Einzelnen bedeutet hat und wie weit Propaganda und Realität voneinander entfernt waren. 

Die musikalischen Beiträge leisteten das Streichquartett „String Attached“, das Bläserquintett des Städtischen Musikvereins zu Erkelenz e.V. sowie der Chor „Canticum Amicis“ aus Erkelenz (Leitung: Josef Paczyna) sowie der Kantor Stefan Emanuel Knauer an der Orgel; das geistliche Abschlusswort hielten Pfarrer Dr. Roland Scheulen und Pfarrer Günter Jendges. 

Der Volkstrauertag findet alljährlich zwei Wochen vor dem Ersten Advent statt, in diesem Jahr am 16. November. Am Vortag führen Landtag, Landesregierung und Volksbund NRW traditionell eine gemeinsame Gedenkveranstaltung durch. Tradition ist auch, dass die Gedenkveranstaltung jedes Jahr in einer anderen Kommune in Nordrhein-Westfalen zu Gast ist. 2024 war die Stadt Marienmünster im Kreis Höxter Gastgeberin.

Der Volkstrauertag wurde als Gedenktag für die Toten des Ersten Weltkriegs ins Leben gerufen. Die erste offizielle Gedenkfeier fand 1922, vor mehr als 100 Jahren, im Reichstag in Berlin statt. Die Nationalsozialisten benannten den Tag in „Heldengedenktag“ um und stellten ihn in den Dienst ihrer kriegsverherrlichenden Propaganda. Seit 1945 wird am Volkstrauertag neben den gefallenen Soldaten auch der zivilen Opfer des Krieges gedacht, die in den besetzten Ländern und in Deutschland zu Opfern von Krieg und Gewalt geworden waren. Hierzu zählen ausdrücklich auch Menschen, die aus politischen, religiösen und rassistischen oder anderen Gründen verfolgt und ermordet worden sind. 

Heute ist der Volkstrauertag allen Toten von Krieg, Gewalt und Terror gewidmet und dient zugleich der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden.