„Plennyje“ ist das russische Wort für „gefangen“. Während des Zweiten Weltkriegs wurden im heutigen Nordrhein-Westfalen in Bergbau, Industrie, Landwirtschaft und anderen Bereichen sowjetische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt. Die dortigen lebensfeindlichen Bedingungen forderten unter ihnen eine hohe Zahl an Todesopfern. Dementsprechend finden sich Kriegsgräberstätten für sowjetische Kriegsgefangene in ganz NRW.
Ein Großteil der Toten galt lange Zeit als unbekannt. Ihre Gräber sind bis heute zum Teil nicht vollständig dokumentiert. Doch mit Hilfe von inzwischen zugänglichen Personaldokumenten aus Wehrmachtprovenienz, archivalischen Quellen und der offiziellen Nachkriegs-Gräberliste lässt sich die überwiegende Mehrheit der Namen rekonstruieren.
Das „Plennyje“-Projekt setzt hier an:
Es erforscht seit 2020 Friedhöfe in NRW, um den Toten ihre Identität zurückzugeben und die ursprüngliche Friedhofsnutzung und Gräberbelegung zu rekonstruieren. Dadurch wird ein konkretes Gedenken auf den Friedhöfen möglich.
Das Projekt erforscht die Biografien, Leidenswege und Todesumstände der sowjetischen Kriegsgefangenen. Daneben geht es weiteren wissenschaftlichen Fragestellungen zu diversen Aspekten des Kriegsgefangenenwesens nach und kooperiert mit anderen Initiativen, Institutionen und Forschenden. Ziel ist es u.a., die Identität der Toten zu sichern, ihre Gräber korrekt zu kennzeichnen und ihre Geschichte den heute lebenden Menschen zu vermitteln. Die Ergebnisse sind bereits als Ausstellung, als Broschüre und in Form von Bildungsmodulen in die Bildungsarbeit des Volksbunds eingeflossen.
Bislang erforscht wurden
- 2020: Düsseldorf „Am Gallberg“/Blankertzstraße und Waldfriedhof Gerresheim (ca. 1.000 Tote),
- 2021: Altkreis Siegen und Stadtgebiet Hagen (weit über 200 Tote),
- 2022/2023: Wanne-Eickel (über 1.000 Tote), Gelsenkirchen (knapp 880 Tote),
- 2024: Dorsten (etwa 500 Tote), Essen (über 900 bestätigte Tote)
- 2025: Altkreis Warburg, (ca. 200 Tote).
Das Projekt wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge getragen und vollständig finanziert von der Landeszentrale für politische Bildung in NRW.
Erdacht und durchgeführt wurde es von dem Historiker Dr. Reinhard Otto (seit 2020) und der Historikerin Jana Moers (2020 bis 2023). Spätere Projektmitglieder waren bzw. sind die Historiker/-innen Vanessa Eisenhardt (2022 bis 2023), Vanessa Wilke (seit 2023) sowie Dr. Marius Seydel (seit 2024).
Aktuelle Projektmitglieder
- Dr. Reinhard Otto
- Dr. Marius Seydel
- Vanessa Wilke