Essen/Ypern (Belgien). Auf Einladung der Landesverbände Nordrhein-Westfalen des Technischen Hilfswerks (THW) und des Volksbundes besuchten 21 Politikerinnen und Politikern aus Nordrhein-Westfalen vom 31. August bis 1. September 2026 Kriegsgräberstätten in Belgien und in den Niederlanden. Auf dem Reiseprogramm standen Friedhöfe des Ersten und des Zweiten Weltkrieges mehrerer Nationen. Teilgenommen haben Abgeordnete des Bundestages und des Landtages NRW sowie Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker nordrhein-westfälischer Städte.
Dimensionen der Weltkriege
Zum Auftakt nach Ysselsteyn
Die Reise führte zunächst nach Ysselsteyn, zur einzigen deutschen Kriegsgräberstätte des Zweiten Weltkrieges in den Niederlanden mit fast 32.000 Kriegstoten. Dort besuchte die Gruppe das 2021 eröffnete Besucherzentrum und erhielt bei einer Führung über die Kriegsgräberstätte Informationen über ausgewählte Schicksale. Einen besonderen Anknüpfungspunkt zu Nordrhein-Westfalen bot das Grab von Ernst Gräwe (Foto s.u.). Er stammte aus Unna und hatte sich in den letzten Kriegstagen 1945 in Deventer geweigert, vermeintliche Widerstandskämpfer/-innen zu erschießen. Dafür wurde er selbst sofort an Ort und Stelle hingerichtet.
"Mythos Langemark"
Anschließend reiste die Gruppe nach Belgien weiter. Dort besuchte sie den deutschen Soldatenfriedhof Langemark, der ebenfalls vom Volksbund betreut wird. 45.000 Tote des Ersten Weltkrieges sind hier bestattet. Er gilt als „Friedhof der Kriegsfreiwilligen“ und Ausgangspunkt des „Langemark-Mythos“.
Größter Soldatenfriedhof des Commonwealth
Direkt im Anschluss besuchten die Reisenden den Soldatenfriedhof Tyne-Cot, die mit fast 12.000 Gräbern größte Kriegsgräberstätte des Commonwealth, auf der überwiegend unbekannte Soldaten bestattet sind und der als Memorial für Vermisste gilt.
Tägliches Erinnern - die Last-Post-Zeremonie
Im belgischen Ypern nahm die Gruppe an der Gedenkzeremonie „Last Post“ unter dem Menen-Tor teil, die seit 1928 allabendlich an die im Ersten Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten des Commonwealth und anderer Nationen erinnert. Lediglich während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg war die Zeremonie ausgesetzt. Der „Last Post“ ist ein Hornsignal, das zum Ende des Tages beim britischen Militär geblasen wird. Zu diesem Signal legen Gruppen oder Einzelpersonen Kränze im Menen-Tor nieder. Besucherinnen und Besucher aus aller Welt nehmen täglich an dieser Zeremonie teil
Fast 11.000 Gefallene aus 30 Nationen - Lijssenthoek
Am Morgen des zweiten Tages stand der Besuch einer weiteren Kriegsgräberstätte des Commonwealth auf dem Programm. Der Soldatenfriedhof Lijssenthoek ist der zweitgrößte Friedhof des Commonwealth. Fast 11.000 Soldaten aus 30 Nationen sind auf diesem ehemaligen Lazarettfriedhof bestattet. Bis auf 35 wurden hier alle Gefallenen identifiziert.
Der anschließende Besuch des Museums „In Flanders Fields“ in den ehemaligen Tuchhallen in Ypern ermöglichte die historische Einordnung der besichtigten Friedhöfe. Hier wird die Geschichte der Flandernschlachten des Ersten Weltkrieges multimedial und multiperspektivisch darstellt.
Henri-Chapelle: Ein "Meer" aus weißem Marmor
Der letzte Programmpunkt der Reise war der US-amerikanische Soldatenfriedhof des Zweiten Weltkrieges in Henri-Chapelle in Ostbelgien. Dort ruhen fast 8.000 amerikanische Soldaten, die bei den Kämpfen während der sogenannten „Ardennen-Offensive“, u.a. im Hürtgenwald, gefallen sind. Darunter ist Victor Briggs, der schwere Kämpfe in Nordafrika und Italien sowie die Landungen in Omaha Beach mit der von ihm geleiteten Einheit überlebt hatte, und im November 1944 bei einem deutschen Angriff während der Befreiung von Henri-Chapelle starb.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die Stationen der Reise zeigten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Erinnerungskulturen. Thomas Kutschaty, Stefan Schmidt und Astrid Wolters vom Landesverband NRW des Volksbundes präsentierten die Arbeit des Volksbundes und vermittelten historische Hintergründe der besuchten Kriegsgräberstätten und der unterschiedlichen Begräbniskultur. Außerdem stellten Dr. Daniel Rasch und Volker Münchow die Aufgaben und Tätigkeiten des THW im Zivilschutz vor.
Information und Austausch
Die Fahrt bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit, sich über aktuelle Fragen der Kriegsgräberfürsorge zu informieren, sich über Erinnerungskultur und die Aktualitätsbezüge auszutauschen und die vielfältige Bildungsarbeit des Volksbundes kennenzulernen. Dabei entstanden einige Projektideen, wie die Besuche der Jugendbegegnungsstätte Ysselsteyn mit Jugend- und oder Erwachsenengruppen.
Bildung für Demokratie und Menschenrechte
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise zeigten sich beeindruckt von der Größe, der Gestaltung und der Vielzahl unterschiedlicher Schicksale auf den verschiedenen Kriegsgräberstätten. Kontakte wurden geknüpft und die einhellige Meinung geäußert, dass Jugendliche und Erwachsene diese Kriegsgräberstätten besuchen sollten, um zu verstehen, was Krieg bedeutet, und dass Demokratie und Menschenrechte unverzichtbar sind.
Volksbund LV NRW