Meldungen aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen

Geschichte wird auf das Hövelhofer Niveau heruntergebrochen

Neue Broschüre zur „Hövelhofer Erinnerungstour“ vorgestellt. 24 Stationen laden auf 39 Kilometern Radroute zu einer historischen Spurensuche zu den Weltkriegen ein

Hövelhof. 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges stehen europaweit die großen Erinnerungsorte und die bekannten Mahn- und Gedenkstätten hoch im Kurs bei zeitgeschichtlich Interessierten. Doch auch in der Sennegemeinde Hövelhof haben die beiden Weltkriege konkrete Spuren hinterlassen, und es gibt dort ebenfalls Erinnerungsorte. Die örtliche Geschichte der Weltkriege "erfahren", können die Fahrradfahrer künftig auf der neuen "Erinnerungstour". Nach mehrmonatiger Arbeit wurde jetzt eine aufwändige Broschüre mit einem Routenplan und Informationen zu 24 Erinnerungsorten in der Gemeinde vorgestellt, die sich mit den Auswirkungen der Weltkriege und mit der Gewaltherrschaft in der Sennegemeinde befassen. Für die Geschichtstour ist allerdings eine gewisse Kondition vonnöten, denn sie führt auf 39 Kilometern kreuz und quer durch das Gemeindegebiet.

Bereits im November 2018 regte Mario Schäfer im Namen der SPD-Fraktion an, einen Rad- oder Rundwanderweg auszuarbeiten, der sich thematisch mit den Weltkriegen und ihren Folgen auseinandersetzt. Seinerzeit war dieser Vorschlag nur schlecht mit der Qualitätsoffensive der Gemeinde im Wanderbereich zu vereinbaren. Statt Quantität setzt die Tourismusarbeit in der Sennegemeinde auf Qualität und reduzierte die Zahl der Wanderwege bei gleichzeitigem Heben des Standards bei den "Highlight"-Routen. Eine individuelle Ausschilderung einer Erinnerungsroute sei zu teuer, die Nachfrage vermutlich zu gering, hieß es bei der Debatte im Fachausschuss, bei der der Vorschlag der SPD schließlich auf der Strecke blieb.

Doch Schäfers Anregung geriet nicht in Vergessenheit. Gemeinsam mit Historiker Norbert Ellermann, Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff und Hermann-Josef Bentler vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kreisverband Paderborn nahmen Marketingchef Thomas Westhof und Radtouristikexpertin Helena Kottowski den Ball auf und trugen eine Vielzahl von Ideen zusammen. Schon nach den ersten Zusammenkünften stand schnell fest: "Da steckt Potenzial drin".

In vielen Treffen des Arbeitskreises nahm die Idee schon bald Formen an, und ab sofort ist der neue Routenflyer mit einer Vielzahl historischer Fakten bei der Tourist-Information im Schlosspark erhältlich. "Der November ist in Hövelhof traditionell der Monat des Gedenkens und der Mahnung", sagte Bürgermeister Michael Berens bei der Vorstellung der Broschüre. In diesem Zusammenhang erinnerte Berens auch an die herausragende Jahresfeier des Volksbundes auf Landesebene im vergangenen Jahr, für die der Volksbund hohes Lob zollte. Auch das jährliche hohe Spendenaufkommen mache deutlich, welchen Stellenwert die Erinnerungskultur in Hövelhof genieße.

Vor dem Rathaus in Hövelhof wurde wie 2018 in der Partnerstadt Verrières-le-Buisson eine Silberlinde gepflanzt, die als Friedensbaum an die hundertjährige Wiederkehr des Kriegsendes im Jahre 1918 erinnert. Zwei weitere Silberlinden haben auch bereits einen Platz auf dem neugestalteten Hövelmarktplatz gefunden, fügte der Bürgermeister hinzu.

Marketingchef Thomas Westhof betonte, der neue Radweg passe auch gut in das touristische Konzept der Sennegemeinde mit dem Schwerpunkt Radfahren. "Viele Gedenkstellen liegen am touristischen Radverkehrsnetz NRW. Gerade ein entspanntes Radfahren ermöglicht es, sich in aller Ruhe und notwendigen Nachdenklichkeit mit den Ereignissen und Hintergründen dieser mahnenden Zeiten zu beschäftigen", empfiehlt Helena Kottowski.

In die Finanzierung des aufwändig gestalteten Routenflyers sind auch Mittel des Landes aus dem Projekt "Heimatscheck" sowie Mittel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Kreis Paderborn eingeflossen. Dessen Vorsitzender Manfred Müller nannte Hövelhof einen "Aktivposten in der Volksbundarbeit". Für ihn ist gelebte Heimatpflege zugleich auch Friedensarbeit. Die ist für ihn, auch 75 Jahre nach Kriegsende im Jahr 1945, wichtiger denn je: "Frieden ist nicht selbstverständlich", erklärte Müller bei der Vorstellung der Broschüre.

Hermann-Josef Bentler, einer der Mitstreiter im lokalen Arbeitskreis, nannte die Zusammen- und Themenarbeit über die Monate hinweg "intensiv und spannend". Historiker Norbert Ellermann ergänzte: "In dem Flyer ist ein Teil der deutschen Geschichte dargestellt". Auf dem Friedensweg müsse man vorwärts gehen und rückwärts schauen, fügte er hinzu. Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff betonte, mit dem neuen Flyer werde Geschichte auf ein örtliches Niveau heruntergebrochen. Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg sagte er: "In Hövelhof gab es wohl kaum eine Familie, die nicht betroffen war". Mario Schäfers, 2018 Ideengeber des Projektes, zeigte sich vom Ergebnis beeindruckt: "Der Auftrag wurde mehr als erfüllt".

Trotzdem bleiben noch Fragen unbeantwortet. Ein Forschungsprojekt, finanziell unterstützt durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., wird sich mit den 14 Soldatengräbern auf dem Hövelhofer Friedhof beschäftigten. Mit Unterstützung durch Hövelhofer Schülerinnen und Schüler wollen Ellermann und Tegethoff versuchen, die Einzelschicksale der dort begrabenen 14 jungen Männer zu klären. Nur drei von ihnen haben bislang einen nachgewiesenen Bezug zur Sennegemeinde. Bei anderen ist unklar, wo sie ums Leben kamen und warum sie dann in Hövelhof beerdigt wurden.

Marketingchef Thomas Westhof kündigte an, dass einige Stationen der Erinnerungstour in Zukunft auch in der Landschaft noch erklärend beschildert werden, sobald die Finanzierung gesichert sei.

Bildzeile: Mit der fertigen Broschüre vor der Friedenslinde: Bürgermeister Michael Berens (vorn l.) und Manfred Müller, Kreisvorsitzender im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Darüber freuen sich (hinten, v. l.) Carsten Tegethoff, Norbert Ellermann, Hermann-Josef Bentler, Thomas Westhof, Helena Kottowski und Mario Schäfers.

Bild- und Textquelle: Kreisverband Paderborn

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